5 Jahre mit dem Radl um die Welt oder anders ausgedrückt 2-play-on-earth
25.12.2008, Mysore (Indien): Wir radeln in Richtung Nilgiri-Berge. Schnell lassen wir Coimbatore hinter uns und erreichen am Nachmittag die „Satchidananda Jothi Nikethan Matric Higher Secondary School“, die von „Roots“ ins Leben gerufen wurde und finanziert wird. Heute ist die 12. Gründungstags-Feier und wir werden wie hoher Besuch behandelt. Lehrer führen uns durch die Eliteschule und Schüler präsentieren uns ihre Projekte. Die Eltern sind auch geladen und abends gibt es nach vielen Reden (unter anderem werden auch wir vorgestellt und begrüsst) ein hervorragendes Kulturprogramm mit Theater und Tanz. Es ist faszinierend, was die Kinder zu Stande bringen! Wir übernachten im schuleigenen Gästehaus und starten am nächsten Tag in die Berge. Fast 2000 Höhenmeter windet sich die Strasse hinauf bis wir aus dem Dunst der Tiefländer draußen sind und auf eine Art Hochland kommen. Die Luft ist klar und kühl und wir stoppen über Nacht in Ooty auf 2300 Metern Seehöhe. Abends werden wir von unseren Freunden aus Coimbatore überrascht. Spontan sind Mohan und seine Frau ins Auto gestiegen und mit dem Chauffeur (der auch unser Begleiter in Coimbatore war) nach Ooty gefahren (drei Stunden Fahrzeit), um mit uns noch einmal zusammen zu sitzen. Verrückt :-) Steil führt uns die schmale Straße am nächsten Tag über 36 Kehren auf der anderen Seite der Berge wieder hinunter ins Flachland. 25 Kilometer geht es durch den Mudumalai-Nationalpark, wo wir Wild, Bisons, Wildschweine und viele Elefanten sehen. Am 23.12. erreichen wir Mysore, eine nette indische Kleinstadt mit 1 Million Einwohnern. Es gibt eine wunderschöne, riesige Palastanlage und wir treffen auf viele indische und ausländische Touristen. Wir bleiben und feiern Philipps Geburtstag und indische Weihnachten... Und wir haben eine neue Seite eingerichtet - schau mal auf die Kreativseite :-)
18.12.2008, Coimbatore (Indien): Den letzten Abend in Australien verbringen wir mit unseren Gastgebern Janey und Rüdi beim alljährlichen Open-Air-Konzert des „Western Australian Symphony Orchestra“. 10.000 Menschen sitzen auf Decken in der Wiese vor der Bühne. Picknick-Zeit bis die Sonne untergegangen ist und das Konzert beginnt. Es ist wunderschön stimmungsvoll und ein toller Abschluss unserer Australienrunde!! Über Singapore, wo wir einen Tag im Regen verbringen, fliegen wir nach Trivandrum am Südzipfel Indiens. Es ist finstere Nacht, als wir landen. Ted, unser Freund in Trivandrum, holt uns ab und hat für uns eine Unterkunft organisiert. Wäre er nicht hier gewesen, wir hätten dem Taxifahrer nie geglaubt, dass wir in die richtige Richtung, sprich Innenstadt, fahren – schmale, unbeleuchtete Gassen, in denen Pfützen stehen und Müll in den Ecken liegt. Wir bleiben zwei Tage bevor wir aufbrechen. Die Räder gehören wieder zusammengebaut und wir genießen unsere ersten Eindrücke Indiens – Menschengewühl, fremde Gerüche, bunte Farben, Tempel und das phantastische Essen! Dann starten wir Richtung Norden. Der Verkehr ist ein Wahnsinn! Lkw's, Busse, kleine Pkw's, Rikschas, jede Menge Mopeds und Kleinmotorräder... alles fährt buchstäblich kreuz und quer. Überholt wird in Dreierreihe mit Gegenverkehr in der Kurve und es wird gehupt und gehupt und gehupt – als würde das irgendetwas helfen. Aber es geht sich „immer“ aus. An uns wird normalerweise gekonnt vorbeigezielt. An langsameren Verkehr ist man hier gewöhnt, und zum Glück ist auch der schnelle Verkehr nicht sonderlich schnell. Allerdings sind kaum Fahrräder zu sehen – ganz anders als vor 8 Jahren, als ich (Philipp) das letzte mal in Indien war. Ob das so ist, weil Kerala eine der reichsten Provinzen ist, oder ob die Räder in Indien wirklich am Aussterben sind, werden wir in den nächsten Wochen herausfinden. Bei Varkala, einem Touristenort mit kleinem Strand, kommen wir an die Küste, fahren weiter nach Alleppey und erreichen Kochi, wo wir wieder einen Kontakt haben (couchsurfing!) und einen Pausentag einlegen. Die Altstadt ist hübsch, mit kleinen Gässchen, vielen Kirchen (!) und renovierten Häusern. Große Fischernetze im chinesischen Stil sind das fotografische Highlight an der Küste. Unsere Gastgeber verwöhnen uns mit den tollsten indischen Gerichten: idli, dhal, rasgulla,... Der nächste Tag auf der Straße ist fürchterlich anstrengend. Viel zu viel Verkehr, viel zu laut, viel zu viel schlechte Luft und viel zu schmutzig. Man hat kaum mal Zeit sich die Gegend anzusehen, alles fährt und hupt und rollt links und rechts an einem vorbei. Zum Glück wird es in Folge wieder etwas besser, als wir über die Hügel nach Nordosten fahren. Weniger Orte, weniger Verkehr, aber dafür eine recht schmale Straße. Wir erreichen Coimbatore, eine Industriestadt. Hier werden wir erwartet...
05.12.2008, Perth (West Australien): Frühmorgens rollen wir noch bei Dunkelheit aus Carnarvon hinaus. Wir rechnen mit Gegenwind, aber wieder haben wir Glück - erst nachmittags müssen wir gegen unseren unsichtbaren Feind strampeln. Flott kommen wir voran, das ist auch unser Ziel, denn die Strecke ist öde: Buschland und alle 100 bis 200 Kilometer ein Roadhouse. Gut motiviert, bald den Süden zu erreichen, schaffen wir 480 Kilometer in drei Tagen (!!!) und kommen zwei Tage früher als geplant in den grössten Ort, seit wir die Ostküste verlassen haben: Geraldton. Die Stadt hat ein hübsches Zentrum, eine schöne Strandpromenade und tolle Strände. Und da wir bei einer netten Gastfamilie wohnen, machen wir drei Tage blau bzw. buchen endlich einen Flug - und zwar nach Indien… Richtig, wir haben unsere Pläne geändert und gehen Asien andersrum an. Nächstes Highlight auf der Strecke: die Pinnacles. Diese schönen Kalksteinformationen im Sand liegen nicht direkt auf der Strecke, aber der Umweg lohnt sich! Wir spazieren und radeln einen ganzen Nachmittag lang durch die bizarre Landschaft mit ihren kleinen und grossen Kalktürmen, die aus dem Sand ragen. Abends zelten wir am Rande des Nationalparks im „Spinnencamp“, mitten im Gebüsch mit unzähligen Spinnennetzen und deren Bewohnern um uns herum. Von der Küste weg fahren wir weiter in Richtung Osten, ein weiterer Umweg für eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit: New Norcia, ein altes Benediktinerkloster bzw. ehemalige Mission. Mitten im Farmland stossen wir auf europäische Architektur aus dem 19. Jahrhundert. Kirche, Kapelle, grosse Wohngebäude, dazwischen schattige Parkanlagen. Wir zelten auf dem Fussballfeld gegenüber, wo wir uns neben ein Wohnmobil und einen Wohnwagen stellen. Neu geknüpfte Freundschaften lassen uns einen fröhlichen Abend verbringen, bevor es am nächsten Tag weiter nach Süden geht. Aus ist es mit der flachen Landschaft, seitdem wir von der Küste weg sind, radeln wir durch eine sehr hügelige Gegend. Das stört uns eigentlich nicht, denn wir sind froh, wieder einmal „Aussicht“ geniessen zu dürfen. Wir sehen unsere letzten Kängurus und viele Emus mitten in der Weingegend vor Perth (Chittering Valley, Swan Valley), die uns stark an Südafrika erinnert. Die letzten Kilometer in die Innenstadt von Perth kämpfen wir mit Gegenwind, doch das Ziel ist schon in Reichweite. Wieder ein Kontinent gemeistert! Wir machen eine Foto-Session vor dem „Swan Bell Tower“, dem neuen Wahrzeichen von Perth. Dann rollen wir noch einige Kilometer zu unserer Gastfamilie, die uns vorigen Jänner „good-bye“ gewunken hat, als wir mit der Australien-Runde starteten. Die nächsten Tage werden wir mit Räder „restaurieren“, Sachen sortieren, Wäsche waschen, Homepage aktualisieren und eventuell etwas ausruhen verbringen, bevor wir am 7. Dezember an den Suedzipfel Indiens, nach Trivandrum fliegen...
18.11.2008, Carnarvon (West Australien): Bei Dunkelheit verlassen wir Karratha und beginnen nach Südwesten zu rollen. Generell weht der Wind um diese Jahreszeit aus dem Südwesten und das mit bis zu 40 km/h. Doch heute soll es anders sein. Laut Vorhersage gibt es Nordwind, das wollen wir ausnutzen. Sobald wir in den „North West Coastal Highway“ einbiegen, weht uns eine steife Brise auf den Hinterkopf. Die Vorhersage hatte recht! Ein Wunder? Egal, wir fahren und fahren und fahren und versuchen den Tag so gut wie möglich auszunutzen und erreichen zum fünften Mal auf der gesamten Reise die 200-Tageskilometer Marke - es ist auch einer der Tage mit den längsten Fahrzeiten! Komplett K.O. schlagen wir das Zelt versteckt neben der Strasse auf. Auch am nächsten Tag ist der Wind noch einigermassen auf unserer Seite und dreht erst spät gegen uns. Danach ist wieder alles so wie es sein soll. Gegenwind, der bereits in den frühen Morgenstunden weht und am Nachmittag fast „unfahrbar“ stark wird. Wir kämpfen uns durch endloses Buschland zu dem kleinen Ort Coral Bay. Eine künstliche Oase in der trockenen Steppenlandschaft. Türkisfarbenes Wasser, Korallenbänke in der Bucht... wow! Wir schnorcheln und sehen Rochen, bunte Fische, schillernde Korallen. An einem Tag unternehmen wir eine Bootstour weiter hinaus und schwimmen mit Mantarochen, der grössten Rochenart der Welt und sehen Riffhaie. Wieder auf der Strasse plagt uns der Gegenwind für weitere zwei Tage. Highlight am langsamen Weg durch das Buschland ist das Überfahren des Südlichen Wendekreises, und wir erreichen nach langen Etappen Carnarvon. Hier werden wir von Chris, ebenfalls ein Radfahrer, aufgenommen und verbringen zwei nette Tage in dem freundlichen Örtchen, bevor es wieder hinaus in den Wind geht...
21.10.2008, Broome (West Australien): Nach zwei Arbeitsmonaten als Guides auf Expeditionsreisen um Spitzbergen und in Ost-Grönland, und einem kurzen Stop in Österreich, um Familie und Freunde zu sehen, sind wir wieder zurück in Broome. Bis zu 40 Grad Lufttemperatur erwarten uns und der Wind pfeift mit bis zu 30 km/h aus Südwest – das bedeutet für unser Weiterfahren Gegenwind. Es ist wolkenlos, das Meer ist 30 Grad warm und die Strände fantastisch! Wir schrauben an unseren Rädern, kaufen Lebensmittel für die Weiterfahrt und versuchen uns wieder an die Hitze zu gewöhnen und den Jet-lag zu überwinden. Mit unseren Gastgebern Lorna, Peter, Scott und Hund Barney sitzen wir am Strand und genießen die schönen Sonnenuntergänge. Wir haben gepackt und die Ketten geölt – morgen sind wir wieder auf der Straße – über 600 Kilometer sind es bis zum nächsten Ort – dazwischen gibt es zwei Roadhäuser...
05.09.2008, Ittoqqortoormiit (Groenland): Nach drei tollen Reisen um Svalbard (Spitzbergen) und vielen Landgaengen und Wanderungen, setzen wir nach Groenland ueber. Auf der Ueberfahrt werden wir von schwerer See begruesst, doch nach zwei langen Tagen erreichen wir Ostgroenland. Den gesamten September werden wir als Guides in den groessten Fjordsystemen der Welt verbringen – Kaiser Franz Josef Fjord, Scoresbysund,… Riesige Eisberge, Wanderungen in der Tundra, die hoechsten Berge Groenlands und Nordlichter erwarten uns. Herrlich :-)
03.08.2008, Longyearbyen (Spitzbergen, Svalbard): Am Weg nach Westen haben wir entschieden, eine zweimonatige Radpause einzulegen, um unserer Reisekasse aufzubessern. Wie auch in den vergangenen Jahren bietet uns der Arktis/Antarktis Spezialist „Oceanwide Expeditions“ an, uns in die Arktis zu fliegen und uns dort als Guides (Fremden- und Wanderführer) auf Expeditionsfahrten mit kleinen Schiffen (50 Passagiere) anzustellen. Wir sagen zu. Nach ein paar gemütlichen Tagen in Broome fliegen wir mit einem Zwischenstop in Österreich, wo wir Familie und Freunde sehen bzw. unsere T-Shirts und Sandalen gegen Fleecejacken und Bergschuhe tauschen, nach Spitzbergen auf 78 Grad Nord. Hier haben wir die Jahre vor der Radweltreise gelebt und es ist ein schönes Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Gletscher, Vögel, Eisbären und Temperaturen knapp über null Grad begrüßen uns. Unsere ersten Fahrten führen uns in 10-tägigen Touren rund um den Archipel. Im September setzen wir über nach Ostgrönland...
18.07.2008, Broome (West Australien): Wir verlassen Katherine in Richtung Westen. Es dauert nicht lange und wir treffen einen Solo-Radler bei einem Rastplatz. Paul ist von Melbourne aus unterwegs einmal rund um Australien. Wir radeln den Tag gemeinsam, kampieren abends zusammen. Wir (Valeska und Philipp) wollen in Folge die „Gibb River Road“ fahren – eine lange Piste durch die Kimberleys (um die 800 Kilometer – incl. allen Abstechern), mit nur zwei Roadhaeusern als Versorgungsmoeglichkeit an der Strasse. Fuer die Australier eine Art „last frontier“ (d.h. das Ende der besiedelten Welt). Paul wollte erst den Highway nehmen, aber beschliesst dann sich uns anzuschliessen. In Kununurra, dem letzten Ort bevor es in den Schotter geht, bunkern wir Lebensmittel fuer 10 Tage und senden (mit einer Touristengruppe) Futter fuer weitere 10 Tage zu einem Roadhouse in der Mitte der Strecke. Kaum haben wir den Asphalt verlassen, erwarten uns Sand, Wellblech und vor allem Staub. Freundlich winken Fahrer und Beifahrer, wenn sie in ihren 4X4-Fahrzeugen an uns vorbeidonnern, uns in eine dicke orange Wolke huellen und uns Steine bis an den Kopf schleudern. 90% aller Fahrzeuge bremsen keinen km/h herunter, wenn sie an uns vorbei fahren. Das Verhalten auf der Strasse schwaecheren Verkehrsteilnehmern gegenueber ist in ganz Australien (wie schon oefter erwaehnt) sehr ruepelhaft. Hier am Schotter ist es am schlimmsten. Unverstaendlich! Zum Glueck nimmt die Verkehrsdichte ab. Die Piste selbst ist oft muehsam und wir hoppeln langsam dahin. Die Natur um uns laesst uns allerdings jede Strapaze vergessen. Flaschenbaume neben der Strasse, Huegel und Felswaende in rot-orange. Fast taeglich kommen wir an Schluchten vorbei bzw. machen wir Abstecher dorthin. Steile Waende, klares sprudelndes Wasser, gesaeumt von Palmen. Es sind kleine Oasen im heissen, trockenen Nordwesten Australiens. Wasserbecken laden zum Schwimmen und Abkuehlen ein und Wasserfaelle massieren unsere Schultern. Oft sind wir voellig alleine, schwimmen lange die Schluchten entlang und entdecken wunderschoene Winkel. Wir zelten an kleinen Baechen, die ebenfalls Wasser fuehren, neben Palmen, springen zum Ausklang des Tages noch einmal ins Wasser und sitzen abends lange am wearmenden Lagerfeuer, da es nachts bis auf wenige Grade ueber null abkuehlt. Suesswasserkrokodile (sind fuer Menschen ungefaehrlich, sagt man) soll es in den meissten Fluessen geben, wir sehen jedoch nur einmal welche in einer huebschen Schlucht, weit ab der Hauptroute. Oft muessen wir Fluesse furten, was meisst kein Problem ist, ausser wenn bekannt ist, dass es in dem Fluss Salzwasserkrokodile (die fressen alles und jeden) gibt. Aber wir sehen keine und die fraglichen Fluesse liegen bald hinter uns. Ausgesprochen viele Schlangen treffen wir auf dieser Strecke an, allerdings verziehen sie sich schnell ins Gestruepp, nach langen Schrecksekunden (v.a. fuer Valeska) bevor wir sie identifizieren koennen. Wir nehmen uns fuer die Strecke viel Zeit, fahren zu fast jeder Schlucht und geniessen unsere phantastischen Zeltplaetze, Lagerfeuer und die vielen Fluesse. Von Paul trennen wir uns nach 13 netten gemeinsamen Tagen, als er einen Ruhetag einlegt und in seinem eigenen Rhythmus weiterfaehrt. Wir treffen noch weitere Radler und seit langem die ersten anderen lustigen Reisenden. Nach insgesamt 16 Tagen und 800 Pistenkilometern spueren wir wieder Asphalt unter den Raedern und wir erreichen voellig mit rotem Staub paniert den kleinen Ort Derby. Nach einem Tag Pause rollen wir weiter, 230 Kilometer nach Broome. Der Ort hat 14.000 Einwohner. Zur Zeit sind ueber 30.000 Menschen hier. Jeder Tag hat um die 30 Grad, seit Wochen gibt es schon keine Wolke am Himmel, die Straende sind weiss und das Wasser tuerkis. Hochsaison. Wir kampieren in perfektem Schatten im Garten unseres freundlichen Gastgebers Peter und seiner ebenso netten Frau Lowna und geniessen das sommerliche Flair (im Winter) der Stadt...