Abenteuer Welt: Aufstieg auf den Großglockner

Reisemagazin mit Weitblick! Diesmal im Fokus: der höchste Berg Österreichs!

Thema:
Abenteuer Welt

Reisemagazin: Abenteuer Welt

Northland’s Abenteuer Welt: Voller Freude präsentieren wir die neueste Kategorie in unserem Magazin: Ein Reiseblog! Wir Northländer leben den Outdoorlifestyle mit Herzblut und so kommt es nicht selten vor, dass es einige von uns hinaus in die Welt zieht. Wir haben diese Erlebnisberichte für euch gesammelt und mit hilfreichen Informationen und passenden Tipps angereichert.

Den Anfang macht Richard Zinthauer, ein Northlander im Herzen und begeisterter Bergsportler aus Österreich. Sein Abenteuer? Ein spannender Trip auf den Großglockner! Richard schrieb exklusiv für unser Magazin #AbenteuerWelt einen unterhaltsamen und informativen Beitrag.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen: 

 
Der Grossglockner: Höchster Berg Österreichs!

Richard Zinthauer erzählt: Ein (nicht ganz) alltäglicher Aufstieg:

Nachdem die letzte Inspektion des höchsten Berges Österreichs (Großglockner mit 3798m) Anfang Mai mangels bereitwilliger Partner allein stattfand, wurde ein bergwilliger Freund von seinem eigentlichen Wunschziel, dem Großvenediger (3662m hoch!) auf den Großglockner (zwangs)umgestimmt! Die Argumente dafür waren schnell gefunden:

  • Der höchste Berg Österreichs versus zweithöchster Berg Österreichs

  • Die Route über den Stüdlgrat im Schwierigkeitsgrad IV-  mit Schneeauflage versus flacher Gletscherhatscher verspricht zumindest für den Kollegen ein Mindestmaß an Abenteuer

  • Die Wettervorsage mit breitem Interpretations- bzw Glaubensspielraum und der Umstand, dass die meisten Berufstätigen am Freitag eben nicht frei haben, sollte die Zahl der Gipfelaspiranten in Grenzen halten.

Ein Abenteuer ist hier garantiert!

Entscheidung: Zwischen den Aufstiegen 

Grundsätzlich werden für die Besteigung ohne Schi zwei Anstiege begangen:

  1. Der Normalweg vom Lucknerhaus über die Lucknerhütte, das Ködnitzkees, über den versicherten Steig hinauf zur Erzherzog - Johann – Hütte (3451 m) und weiter über das Glocknerleitl auf den zum Kleinglockner führenden Grat und über diesen mittels eines kurzen Abstiegs zur Glocknerscharte und die letzten Meter hinauf zum Gipfel (II Grad UIAA) des Großglockners. An schönen Tagen ist der Stau ab dem Beginn der eigentlichen Schwierigkeiten beim Glocknerleitl (45° steil) obligat. Viele Bergsteiger entscheiden sich für eine Übernachtung auf der fast am Weg liegenden Stüdlhütte (2800m), verkürzt diese doch den Gipfeltag um gute 900 Höhenmeter. Diejenigen, die sich für ihre Glocknerbesteigung die Pole Position sichern wollen, nächtigen gleich auf der Erzherzog-Johann–Hütte, auf 3451 m, was aber nur bei einer guten Akklimatisierung einen Sinn macht – ansonsten bereitet einen der Nationalberg echte Kopfschmerzen.

  2. Oder der Stüdlgrat, mit einer Schwierigkeit von IV- und bei  Schnee- und Eisauflage auch mit der notwendigen alpinen Würze versehen. Die Gesamtzeit wird mit 12 – 13 Stunden angegeben, wobei die meisten Begeher auf der Stüdlhütte nächtigen und sich so rund zwei Stunden zusätzliche Zustiegszeit ersparen.

Tal - Hütte - Tal: Bergsteiger Variante

Wir entschieden uns für die Variante Tal – Gipfel – Tal, weil die Option Hütte für mich nie eine Option ist.

 Ob der unzähligen Autobahnbaustellen gibt es auch für die abendliche Anfahrt keinen Streckenrekord zu vermelden und letztendlich hatten wir gegen 22 Uhr das Lucknerhaus auf knapp 2000 m erreicht. In einem Auto, in welchem sieben Personen befördert werden können, sollte auch Platz für zwei Personen zum Schlafen sein, was dem ganzen Unternehmen auch eine gewisse Bodenständigkeit verliehen hat. Der fast leere Parkplatz bestätigte auch unsere Vermutung, dass der normale Massenauftrieb erst mit dem für das Wochenende prognostizierte Schönwetter einsetzen sollte. Der Wetterbericht versprach für den kommenden Tag nach Durchzug einer leichten Störung recht passables Wetter. 

Für den klaren Sternenhimmel gab es nur zwei Erklärungen: Entweder die Front ist schon abgezogen oder sie hat diese Region noch nicht erreicht.

Ein Kontrollblick um 6 Uhr früh sprach für die zweite Variante – es nieselte - also weiterschlafen, Tour ist ohnehin nach Südwesten ausgerichtet.

Kurz nach 9 Uhr ging es dann doch los und blaue Flecken am Himmel stimmten uns zuversichtlich, dass der Tag ohne Frieren verlaufen sollte. Untypisch waren am Zustieg die Quantität und die Qualität der Gletscherspalten  - der Sommer hatte ganze Arbeit geleistet.

Um 11:30 Uhr stiegen wir in die erste Seillänge ein. Irgendwann bei der Hälfte der Kletterei war dann der Himmel tatsächlich wolkenlos doch schon einige Minuten später waren wir wieder von Nebel eingehüllt, was bei der Kletterei, speziell in den schattigen und schneebedeckten Passagen, einen Hauch von Westalpenfeeling aufkommen ließ und auch Erinnerungen an meine erste Begehung 1991 weckte: 19 Jahre alt, sechs Monate meines Lebens beim Bundesheer verschwendet, die neuesten 3000 Schilling Schalenbergschuhe an den Füßen, reichlich Kraft in den Fingern aber wenig Erfahrung im Hochgebirge, erlebten wir ein echtes alpines Abenteuer inklusive Wettersturz und stolperten im Dunklen, natürlich ohne Stirnlampen, dem Tal entgegen. Eine eher wenig wiederholenswerte Erfahrung.

Gipfelerlebnisse!

Diesmal lief alles reibungslos – eigentlich schon zu reibungslos, sodass das echte alpine Abenteuer ausblieb. Ich gestand uns am Gipfel sogar noch eine halbstündige Pause zu, was beim Kollegen für leichte Irritation sorgte, gilt doch für gewöhnlich die Devise „zügig rauf – zügig runter“. Zur Rechtfertigung darf vorgebracht werden, dass diesmal nicht der obligate Flüssigkeits- und Nahrungsmangel die Qualität der Gipfelrast beeinträchtigte.

Frisch gelabt und die Poserfotos im Kasten starteten wir dann zum Abstieg über den Normalweg.

Bis zum Glocknerleitl muss noch in leichter Kletterei abgestiegen werden und der Kollege wird durgehend gesichert. Das Glocknerleitl, 45° steil und im Mai noch mit Schi abgefahren, ist jetzt nur noch eine nasse, erdige Schuttrinne. Hier spielen sich zu jeder Jahreszeit Dramen aller Arten ab: Überforderte Bergsteiger im Aufstieg treffen auf Ihresgleichen im Abstieg, dazwischen versuchen die Nichtüberforderten sowie die Bergführer mit ihren Gästen die Gefahrenzone so rasch wie möglich hinter sich zu bringen.  Nachdem ich meinen Partner ohnehin abseile, nehme ich diesen Luxus zum Teil auch für mich in Anspruch. Naturgemäß führt das in Verbindung mit dem vorhergegangenen Niederschlag zu einer gröberen Schändung des Seiles, was aber unter Berücksichtigung des Umstandes, dass es in erster Linie für seinen Besitzer benötigt wird und er immer wieder auf die hervorragende Imprägnierung verweist, ohne Skrupel toleriert wird.

Gemeinsam lassen sich Abenteuer noch besser erleben!

Hütte oder nicht Hütte?

Die Erzherzog - Johann – Hütte, auf 3451 m ist bis auf den Winterraum auch schon geschlossen. Weiter geht es über den versicherten Steig, wo wir den ersten Gipfelaspiranten für den kommenden Tag begegnen, hinunter zum Ködnitzkees, das ebenso wie das am Vormittag passierte Teischnitzkees, auf Grund der fehlenden Schneeauflage einen unattraktiven Anblick bietet.

Über den Gletscher und dann weglos wird wieder der Zustiegsweg zur Stüdlhütte erreicht und eine Stunde später wird dem nun doch schon recht ausgeprägten Hungergefühl mittels Cordon Bleu und Co. abgeholfen.

Vom höchsten Berg Österreichs ging es weiter zum höchsten Gipfel in der Steiermark, dem Dachstein (2998 m). Der Anstieg von der Ramsau aus weist mit 1900 Höhenmetern sogar mehr als der auf den Glockner auf.  Der (gondelbedingte) Auflauf am Gipfelanstieg übertrifft sogar den am Glockner.

 

Nach dem Abstieg: Resüme

Brauchbares Wetter, relativ gute Verhältnisse und Einsamkeit am Glockner sind nicht alltäglich.

Der Anstieg über den Stüdlgrat ist in den Sommermonaten sicher attraktiver als der Normalweg, sofern man sich in so einem Gelände, zumindest als Seilerster, rasch und sicher bewegen kann. Idealerweise am laufenden 30 m Seil.

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