Abenteuer Welt: Wandertour auf den Grimming

Der Sommer ist eine herrliche Wanderzeit - schneefrei und mit Sonne im Gepäck lassen sich jetzt auch die höchsten Gipfel besteigen! Diesmal geht es auf den Grimming - dem höchsten freistehenden Berg Europas.

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Abenteuer Welt

In unserem Abenteuer Welt Magazin haben wir diesmal einen Ausblick in die sommerliche Wanderwelt! Armin Weinzierl besuchte vor einiger Zeit den sagenumwobenen Berg Grimming in der westlichen Steiermark. Bei heißen Temperaturen bot der Gipfel eine besondere Herausforderung an die Wanderer.

Zwischen Ennstal und dem Hinterberger Tal gelegen, zeigt der massive Grimming sich in seiner ganzen Pracht. 2351m hoch ragt der Gipfel des Gebirgsstocks, welcher etwa 9km lang und 4km breit ist und somit als isolierter Gebirgsstock gilt. Nicht nur im Sommer eine Wanderung wert!

 

Armin Weinzierl: Rauf auf den Grimming!

Seit Jahren, wenn ich auf dem Weg zum Skifahren durchs Ennstal am Fuße des Grimmings vorbeifahre, überkommt mich das Gefühl, einmal auf den Grimminggipfel zu müssen.

Als ich vor einigen Jahren meinem Vater und meinem Bruder von dieser geplanten Unternehmung erzählte, waren beide sofort begeistert und erklärten ihre Bereitschaft mitzugehen. Der Grimming sticht als höchster freistehender Gebirgsstock Europas hervor und hat uns in seinen Bann gezogen.

Aufgrund der Länge der Tour und der teilweisen Ausgesetztheit des Geländes, bedarf es für eine sichere Besteigung absolut stabiles und schönes Wetter. 2016 wollten wir den Berg das erste Mal in Angriff nehmen.

Die Schwierigkeit des Unterfangens lag darin, einen möglichst kurzfristig passenden Termin zu finden. Und daran scheiterte es beim ersten Versuch. Mein Bruder David und ich sind berufstätig und daher in unserer Freizeit eingeschränkt. Man sollte glauben, dass die terminliche Koordination mit meinem Vater, der sich durch Klettern und Wandern körperlich fit hält und dabei seinen wohlverdienten Ruhestand genießt, einfacher sei. Es bewahrheitete sich aber die Aussage, dass „Pensionisten“ keine Zeit hätten. Das Jahr darauf hatte ich mir bei der Vorbereitung auf einen Marathon ein Shin Splint (Beinhautentzündung an der Schienbeininnenkante) zugezogen und ich mutete mir den langen Abstieg auf Fels und Geröll nicht zu.

Im September 2018 sollte es dann endlich soweit sein. Mein Bruder und ich hatten einige Tage Urlaub, und selbst der „Bergführer“, unser Vater, fand ausreichend Zeit. Die Wetterprognosen waren perfekt für diese Tour. Einzig die prognostizierten Tageshöchstwerte über 30 Grad Celsius verlangten eine extra Ration Wasser mitzunehmen, und hatte indirekten Einfluss auf die Routenwahl. Aufgrund der doch sehr langen Anreise aus Mürzzuschlag bzw. Leoben mit öffentlichen Verkehrsmitteln, fiel der Entschluss den Grimming von Norden nach Süden zu überschreiten.

Auf Los geht's los!

Wir starteten um 08.30 Uhr die Tour von der Bushaltestelle Girtstatt und folgten zuerst der asphaltierten Straße in Richtung Kulm. Beim Parkplatz stiegen wir dann stetig steil steigend durch den Wald auf und erreichten sehr bald große Geröllfelder entlang mächtiger Felswände. Währenddessen wir noch in Richtung Gipfel unterwegs waren, kamen uns schon die ersten Gipfelstürmer entgegen und berichteten von einem schönen Bergerlebnis.

Üblicherweise bevorzuge ich weite Touren sehr früh morgens zu starten. Vater und Bruder, beide „passionierte Langschläfer“, waren gegen meinen Plan, früher aufzubrechen. Dennoch gingen wir bei angenehmen Temperaturverhältnissen überwiegend im Schatten. Wir holten mehrere Wanderer, die früher in Richtung Gipfel aufgebrochen waren, ein. „Wahrscheinlich sind diese nicht so gut ausgeschlafen wie wir“, witzelte ich.   Immer wieder richteten sich unsere Blicke zurück in Richtung Tauplitz und Totem Gebirge, und es ließ sich schon erahnen, welcher grandiose Ausblick uns vom Gipfel erwarten würde.

Bei der letzten Kletterei unterhalb der Biwak-Schachtel in Gipfelnähe waren wir plötzlich Steinschlag ausgesetzt, der von einer vor uns gehenden Gruppe losgetreten wurde. Unversehrt erreichten wir gegen Mittag den Gipfel und unsere Erwartungen wurden von dem uns darbietenden Panorama voll erfüllt.

„Berg Frei!“

 Nach einem kräftigen Schluck Magnesium-Wasser-Gemisch aus der Northland Trinkflasche, der Dank der Isolation der Flasche noch immer erfrischend kühl war, wurden die Handys gezückt und das Fotoshooting gestartet. Jegliche Anstrengung war schlagartig vergessen - freier Blick in alle Himmelsrichtungen. Endorphinausschüttung pur!

Wir verweilten eine Stunde am Gipfel bevor wir übers Multereck den Abstieg nach Trautenfels antraten. Eigentlich ist der Abstieg von einem Gipfel der erholsamere Teil einer Wanderung – nicht so beim Grimming. Im Bereich des Gipfels wehte noch eine angenehme Brise Wind. Als wir vom Multereck einige Höhenmeter abstiegen, stellten wir rasch fest, dass der zunächst leichte Nord-West-Wind aufhörte und wir uns, wie befürchtet im Lee befanden.

Wir waren einerseits der direkten Sonneneinstrahlung und andererseits den hohen Temperaturen der aufgeheizten Felsen ausgesetzt. Schnell wurde uns Dreien klar, dass hinsichtlich der Routenwahl und der Mitnahme von ausreichend Flüssigkeit, die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Mein Vater meinte am Gipfel noch eher scherzhaft, dass die Tour erst beim gesunden Eintreffen bei der Grimminghütte und einem kühlen Bier geschafft sei – er sollte Recht behalten.

Wir stiegen endlos lange über Fels- und Geröllfelder ab. Die zahlreichen Drahtversicherungen waren so erwärmt, dass Kletterhandschuhe, die natürlich zu Hause geblieben sind, hilfreich gewesen wären. Wir erreichten nach rund 3 Stunden kräftezehrendem Abstieg die Grimminghütte. Das zu einer Bergtour gehörende Hüttenbier schmeckte dafür umso besser. Wir stärkten uns bei originalen Ennstaler Steirerkäsbroten und einem zweiten Bier, bevor wir nach Trautenfels aufbrachen um unseren Autobus nach Stainach-Irdning zu erreichen. Ein kurzer Blick noch auf den „Mons Styriacus altissimus“ und ein erleichterndes Gefühl überkam uns.

Zusammengefasst kann man sagen, ein tolles Bergerlebnis erlebt zu haben. Es sollte nicht die letzte Tour auf den Sagen- und Mythen umwobenen Berg gewesen sein.

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